Tandemfahrräder dienen dem aktiven Fahrradsport zweier Radler, die hintereinander auf einem entsprechenden Rahmen mit zwei Sitzrohren und zwei Tretlagern Platz finden. Dabei lenkt der vordere Fahrer und der hintere leistet seinen Beitrag zum Antrieb. Im Englischen werden die Fahrer in Anlehnung der Arbeitsteilung bei Dampflokomotiven “Captain” und “Stoker” genannt.
Bei Tandemfahrrädern handelt es sich keineswegs um eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, wie man vielleicht glauben könnte. 1818 konstruierte Karl von Drais das erste einspurige Laufrad und man vermutet das er schon zu dieser Zeit mit der Idee von mehrsitzigen Rädern spielte. In erster Linie wollte man eine Möglichkeit für die Frau schaffen trotz strenger Etikette indirekt am Fahrradsport teilzunehmen, indem man ihr einen zusätzlichen Sitzplatz anbrachte. 1865 kamen die Kurbeln an das Fahrrad, was die Fortbewegung enorm erleichterte. Auch mit dem Trend der Hochräder versuchte man mehrsitzige Räder zu bauen. Allerdings konnte man sich schon schwer auf einsitzigen Hochrädern halten, was ein Fahren zu zweit zu einer wahren Herausforderung werden ließ. Bis zu den 1880er Jahren waren mehrsitzige Konstruktionen relativ schwer in Bewegung zu setzen, gerade weil weibliche Mitfahrer keinen Beitrag zur Tretleistung erbrachten. In den darauffolgenden Jahren entschloss man sich deshalb etwas über die Etikette hinwegzusetzen und brachte am neuerfundenen Niederrad einen Sitz mit Tretkurbel für die Frau an. Allerdings sah man die Nutzung der Doppelsitzer durch Mann und Frau immer noch sehr skeptisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine starke Flaute im Tandembedarf ein. Erst in den 1970ern wuchs mit dem ökologischen Bewusstsein ein neuerliches Interesse. Da es in dieser Zeit jedoch kaum qualitative Angebote gab, gründete Bill McCready die bis heute größte Tandemfirma “Santana Cycles Inc.”. Der Vorteil von Tandemfahren ist zum einen die schnellere Geschwindigkeit, die von zwei Fahrern bei gleichem Rollwiederstand wie bei einem normalen Fahrrad erreicht werden kann. Dadurch das in der hinteren Position nicht gelenkt werden kann, ermöglicht das Tandem beispielsweise auch sehbehinderten Menschen aktiven Fahrradsport. Außerdem kommt man immer zusammen am Ziel an und starke Fahrer können schwächere ausgleichen. Moderne Tandems können auch überall mitgenommen werden, da sie sich entweder in Teile zerlegen oder zusammenfalten lassen.
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